Historischer Hintergrund

1949 marschierte die chinesische Volksbefreiungsarmee in Tibet ein. Am 10. März 1959 erhoben sich die Tibeter bei einem großen Aufstand gegen die chinesischen Besatzer. Die Unruhen dauerten über eine Woche an und wurden schlussendlich brutal niedergeschlagen. Über 80.000 Tibeterinnen und Tibeter kamen dabei ums Leben. S.H. der Dalai Lama entschloss sich zu fliehen, zigtausende Tibeter folgten ihm nach.

Aktuelle Situation

Der Anteil der Tibeter an der Gesamtbevölkerung in Tibet beträgt etwa 6 Millionen, 2,09 Millionen davon leben in der sogenannten Tibetischen Autonomen Region (TAR), die nur einen kleinen Teil des historischen Tibets umfasst. Der Rest der Tibetischen Bevölkerung verteilt sich auf die chinesischen Provinzen Qinghai, Sichuan, Gansu und Yunnan außerhalb der TAR (Quelle: www.tibet.net).

Durch die Massenansiedlung von Chinesen in Tibet sind die Tibeter zu einer Minderheit in ihrer eigenen Heimat geworden.

Die chinesische Regierung betreibt eine gezielte Politik der Vernichtung der tibetischen Kultur – der Sprache, der Religion und der Kunst – die deshalb im eigenen Land vom Aussterben bedroht ist.

Die Verwaltung des Landes wird von Chinesen dominiert, chinesische Geschäftsleute genießen steuerliche Vorteile.

Jede der chinesisch-kommunistischen Parteiideologie zuwiderlaufende Meinungsäußerung kann zur Verhaftung führen. Systematisch schickt die Regierung Politoffiziere in die religiösen Institutionen, um die Loyalität zum Dalai Lama, die Sympathie für eine tibetische nationale Eigenständigkeit und jede Äußerung von Dissens zu ersticken.

Kinder sind von der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung nicht ausgenommen. Manche politische Gefangene sind unter 18 Jahre alt, und jugendliche Mönche und Nonnen werden konsequent aus ihren Institutionen vertrieben.

Das Leben in den Klöstern wird von der chinesischen Regierung streng reguliert. Alle Belange das Klosterleben betreffend müssen von den chinesischen Behörden genehmigt werden. Wer in ein Kloster einzieht, wer auszieht, welche Gebete, Rituale und Zeremonien durchgeführt werden, muss mit den Behörden abgestimmt werden.

Die Willkür der Justiz

Tibeter können jederzeit Opfer von willkürlicher Verhaftung werden. Es gibt immer mehr Fälle von plötzlichem Verschwinden, bei denen eine Person in Gewahrsam genommen wird, die Umstände der Verhaftung aber nicht bekannt gegeben werden.

Folter ist immer noch üblich in chinesischen Gefängnissen und Haftzentren, obwohl dies einen Verstoß gegen die Konvention gegen Folter der UNO darstellt.

Folgen der Diskriminierung

Wegen der Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten, ungenügender Einrichtungen und diskriminierender Maßnahmen bleibt vielen tibetischen Kindern der Zugang zu angemessener Gesundheitsfürsorge und Schulbildung versagt.

Tibetisch wurde als offizielle Sprache durch Chinesisch ersetzt. Die tibetische Jugend lernt nichts mehr über ihre kulturelle Vergangenheit und wird gemäß den Richtlinien der kommunistischen Partei erzogen.

Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen

Chinas Hauptinteresse ist inzwischen die Ausbeutung der reichen Naturschätze und die Nutzbarmachung des Landes für die chinesische Kolonisation, ohne Rücksicht auf die Umwelt. Der Abbau von Bodenschätzen ist zum größten Wirtschaftszweig sowohl in als auch außerhalb der Autonomen Region Tibets geworden. Gegen-Proteste der Tibeter werden brutal niedergeschlagen.

Im Hochland von Tibet entspringen fast alle großen Flüsse Asiens. 1,5 Milliarden Menschen sind vom Wasser der Flüsse, die in Tibet entspringen, abhängig. Um Chinas Wirtschaft mit Energie zu versorgen, wurden in Tibet die meisten Staudämmen weltweit gebaut. Diese gigantischen Bauwerke stellen eine Gefahr für die Umwelt und die Bevölkerung dar, nicht zuletzt wegen der häufigen schweren Erdbeben in der Himalaya-Region. Darüber hinaus wird auch Wasser nach China umgeleitet, um die Bevölkerung und die Kohleindustrie Chinas damit zu versorgen.

Keine Aussicht auf Besserung

Die Situation der Tibeter in Tibet hat sich seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking weiter verschlechtert. In den Städten kann bereits von einer Totalüberwachung der Menschen, unter anderem mit massivem technischem Einsatz, gesprochen werden. In den Dörfern werden tibetische Familien gezwungen, sich gegenseitig zu kontrollieren und alle Unregelmäßigkeiten an die Behörden zu melden.

Die Bewegungsfreiheit der Tibeter ist stark eingeschränkt. Chinesen dürfen sich in Tibet in der Regel überall frei bewegen, Tibeter müssen in ihrem eigenen Land unzählige Kontrollen über sich ergehen lassen. Ohne zahlreiche Genehmigungen dürfen sie sich außerhalb ihres Wohngebietes nicht bewegen und auch nicht arbeiten. Die Grenzen zu den Nachbarländern werden rigoros überwacht, der Einsatz von Killerdrohnen ist dort bereits üblich. In den letzten Jahrzehnten flüchteten einige tausend Tibeter pro Jahr ins Exil. Infolge der verschärften Rahmenbedingungen ist diese Zahl in den letzten Jahren auf weniger als hundert gesunken.

2 Millionen Nomaden, die letzte Bastion der tibetischen Kultur in Tibet, wurden in den letzten Jahren in feste, gefängnisartige Siedlungen zwangsumgesiedelt.

Selbstverbrennung als letzter Ausweg (Quelle: flickr/AK Rockefeller)

Viele Tibeterinnen und Tibeter empfinden die Situation in ihrem Land angesichts der steigenden Repression und schrittweisen Marginalisierung ihrer Lebensweise und Kultur als hoffnungslos. Etliche von ihnen, meist Mönche und Nonnen, haben in den letzten Jahren die Selbstverbrennung als letzten Ausweg gesehen, die Weltöffentlichkeit auf die Situation in Tibet aufmerksam zu machen und sie aufzurütteln. Über 150 Menschen waren es bis jetzt, die diesen drastischen Schritt setzten. Die meisten von ihnen starben an ihren schweren Verletzungen, unbeachtet von den meisten Medien in aller Welt.