Urlaub mit den Kindern



Urlaub mit den Kindern


Vier Mädchen in GOA - ein unvergesslicher Urlaub

Ein Bericht von Brigitte Wagner

"Wunderschön" rief Nyima, unsere zweitälteste, beim Anblick des Hotelzimmers. Für uns war es nur ein einfacher Raum, aber für das Mädchen aus Patlikuhl, das sich den Schlafsaal üblicherweise mit 49 anderen teilen muss, ein unbeschreiblicher Luxus.

Wenige Augenblicke zuvor, beim ersten Anblick des Meeres, hatte sie und die anderen Mädchen gar nichts mehr gesagt - da waren nur die Augen immer größer und größer geworden. Für sie ging ein Traum in Erfüllung, den viele tibetische Kinder haben: einmal das Meer sehen …

Die Mädchen hatten schon einen aufregenden Tag hinter sich: der allererste Flug, zuvor noch die Eindrücke am Airport in Delhi, das Check-in, die Sicherheitskontrolle und vieles mehr.

Es begann mit einem Schock …

Die Sprache hatte es auch mir verschlagen - und zwar schon am frühen Morgen, als Dhondup, beim gemütlichen Plaudern am Frühstückstisch so nebenbei bemerkte, dass sie keine Identity-Karte mit hätte. (Und dabei hatten wir x-mal geschrieben und gemailt, wie wichtig die sei…)

Ich hatte ein ziemlich flaues Gefühl im Magen, als wir Richtung Flughafen fuhren. Doch dort erschien ein Engel in Gestalt eines jungen Mitarbeiters von SpiceJet, der es auf magische Weise schaffte, dass unsere Girls ohne Identiy-Card den Boarding-Pass bekamen. (Ich schließe ihn noch heute in mein Abendgebet ein - denn das ist auch für indische Verhältnisse nicht selbstverständlich …)

… und endete mit Lachen

So groß der erste Schock, so geruhsam und entspannend die darauf folgenden zwei Wochen. Jeder Tag war ein Quell heller Freude. Die beiden Mädchen, Nyima (16) und Lhatso (14), die zum ersten Mal am Meer waren und die nur zögerlich und zitternd die ersten Schritte ins Meer gemacht hatten, lernten binnen kürzester Zeit schwimmen. Tsering (20) und Dhondup (16) kannten das Meer von unserem Goa-Aufenthalt vor 2 Jahren schon.

Großes Vergnügen machte ihnen allen das Spiel mit den aufblasbaren Wassertieren, die ich mitgenommen hatte: je höher die Wellen, je öfter sie ins Wasser fielen, desto mehr lachten sie.

Sie lachten auch, als sie Fahrrad fahren lernten, mit uns "Schwarzer Peter" spielten, über den Saturday-Night-Market bummelten, beim gemeinsamen Drink zum Sonnenuntergang und bei vielen anderen Gelegenheiten.

Wir lachten und freuten uns mit ihnen und - ich gebe es zu - wir haben auch sehr gelächelt, als wir den heimischen Wetterbericht im Internet lasen: Die kälteste Nacht seit 13 Jahren …

In Goa hatte es 34 Grad Luft- und 29 Grad Wassertemperatur und wir genossen den breiten, fast menschenleeren Sandstrand, das Dösen unter Palmen, die Strandspaziergänge, die gemeinsamen Spiele am Abend.

Lange Gespräche, intensiver Kontakt

Am meisten aber genossen wir die Gespräche mit den Kindern, zu zweit, zu dritt, zu viert, zu sechst - wie es sich eben ergab. Fern vom Kinderdorf und mit genügend Zeit hatten wir die nötige Ruhe für lange Gespräche, für intensiven Gedankenaustausch. So intensiv können wir die gemeinsame Zeit sonst nie verbringen wie in diesen langen, unbeschwerten Tagen unter der goanischen Sonne.

Urlaube mit unseren Sponsor-Girls sind eben etwas besonders, besonders emotional, besonders zu Herzen gehend. Und Goa-Urlaube sind ganz besonders schön …

Der Abschied fiel dementsprechend schwer, auf allen Seiten flossen Tränen. Und in der Sekunde schien es auch wenig Trost, dass wir sie bald wieder sehen, schon im Oktober.

"We really hate being away from you for even a couple of days" schrieb Tsering, unsere Große, im Brief, den sie uns mitgab. Und auch wir fühlen ein Ziehen im Herzen, wenn wir die Fotos betrachten, das Video ansehen.

Wir sind in Gedanken bei euch, bei unseren Mädchen, und ihr seid in unseren Herzen. Wir kommen bald wieder und eines Tages - vielleicht schon in absehbarer Zeit - sehen wir uns wieder in Goa.

Die Details der Reise:

Wir flogen mit der AUA nach Delhi (Ankunft ca. ½ 12 in der Nacht) und übernachteten im Airport Hotel. Für die Mädchen buchte ich einen Jeep von Suja nach Delhi, der sie ebenfalls ins Airport Hotel brachte.

Am nächsten Tag flogen wir mit Kingfisher und die Mädels mit SpiceJet nach Goa. Unser Hotel war das Camillsons Beach Ressort in Colva.

Zurück ging´ s ebenso: Flug nach Delhi, Mädchen im Jeep verstaut, Nachtfahrt nach Suja. Für uns hieß es dann 8 Stunden am Flughafen warten, aber wir hatten ja genug Bilder im Kopf, um zu träumen …


 
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